Lima – zwischen Straßenstaub und Meeresluft

Lima – zwischen Straßenstaub und Meeresluft

“Eigentlich will ich diese Luft hier gar nicht einatmen…” “Was?! Ich kann dich nicht verstehen, die Hupen sind zu laut!”


12 Stunden Flug ab Madrid. Trotz wenig Schlaf sind wir voller Vorfreude, endlich den südamerikanischen Kontinent zu betreten. Die Kultur und die Menschen kennenzulernen. Unsere Reise zu beginnen. Nach unserer Landung in der Millionenstadt fällt es allerdings schwerer als gedacht, uns zu orientieren.


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Es ist kaum vorstellbar, wie laut und chaotisch eine Stadt sein kann, in der beinahe die Hälfte des ganzen Landes lebt. Lima bietet für viele Peruaner aus den ländlichen Gebieten eine scheinbare Chance auf ein besseres Leben. Täglich zieht es deshalb hunderte Menschen in die immer weiter wachsenden Slumgürtel rund um die Stadt.


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Die Taxifahrt vom Aeropuerto zu unserem Hostel war deshalb schon ein Abenteuer für sich. Außer Ampeln scheint es hier so etwas wie Vorfahrtsregeln nicht zu geben. Stattdessen wird lieber mal gehupt – und das nicht zu wenig. Überall fahren motorisierte Rikschas und Vehikel im Eigenbau – Lichtjahre vom TÜV entfernt! Trotz dieser Unübersichtlichkeit haben wir in den 4 Tagen bisher noch keinen Unfall gesehen. Die Stadt folgt eben ihrer ganz eigenen Logik…


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Unsere Unterkunft für die Zeit in Lima liegt im etwas heruntergekommenen Bezirk “Los Olivos”. Die Gebäude hier sind oftmals nicht fertig gestellt – Stahlträger ragen aus unverputzten Dachetagen, überall liegt unverbrauchtes Baumaterial herum. Auch die Verkabelung der Häuser kann als “ästhetische Meisterleistung” bezeichnet werden.


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Dennoch: unser 6-Bett-Hostelzimmer ist in einwandfreiem Zustand und erfreulicherweise spricht unser Host Walter fließend Englisch. Außerdem hilft er uns bei Fragen zur Umgebung, druckt uns Karten aus, zeigt uns Busverbindungen und bereitet jeden Morgen frischen Papayasaft zum Frühstück. Wenn du in Lima eine günstige und authentische Unterkunft suchen solltest, schau dir auf jeden Fall “Tampu Machi” in Los Olivos an!


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Von unserer Basis aus sind es etwa 5 Gehminuten zur nächsten Hauptverkehrsader mit Supermarkt. Auf dem Weg dorthin kommen wir an unzähligen Ständen vorbei, an denen Ceviche (eine Fischspezialität mit Zwiebeln und Limetten), Churros, frische Säfte, Kokosnüsse, Handys, Textilien und CDs verkauft werden. Die Leute versuchen teilweise merklich verzweifelt, ihre Produkte an Passanten zu veräußern.


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Schattenwirtschaft ist hier in Lima weit verbreitet. Ein Einheimischer, mit dem wir auf der Straße ins Gespräch gekommen sind, erklärte uns die Gründe. Etwa 75% der Bevölkerung ist offiziell arbeitslos und muss seinen Lebensunterhalt abseits geregelter Erwerbsarbeit verdienen. Nur 4% von Limas Einwohnern besitzt soziale Sicherheit – ein Monatslohn von 290 PEN (ca. 95€) ist zumindest in weniger wohlhabenderen Bezirken Normalität.


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Ein Ausflug in den touristischen Bezirk “Miraflores” hat uns die erschreckenden Ausmaße der Schere zwischen Arm und Reich verdeutlicht. Während obdachlose Invaliden ein paar Kilometer nördlich versuchen, ihr Trinkwasser mit Straßenmusik zu verdienen, sind die luxuriösen Einfamilienhäuser zwischen Applestore und KFC hier mit Kameras und Hochspannungsdrähten auf meterhohen Steinmauern gesichert.


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Den 40-minütigen Weg zurück in unseren Bezirk verbringen wir eingequetscht in den Massen des Pendlerverkehrs der Metro. Trotzdem sind wir froh, nicht auf das Auto angewiesen zu sein: neben der eigenen Spur für die Busse der Metrolinien herrscht kilometerlanger Stau. Über allem dröhnt der allgegenwärtige Lärm tausender Autohupen.


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Dennoch haben wir in Lima viele positive Eindrücke erhalten. Die Menschen hier sind äußerst aufgeschlossen und freuen sich, mit ausländischen Reisenden zu reden. Einige versuchen sich sogar an deutschen Vokabeln!
Das Obst hier ist besser als die europäische Flugware und kostet ein Bruchteil. Außerdem macht es wahnsinnig Spaß, durch die vielen Markthallen mit lokalem Speiseangebot zu schlendern und eine unbekannte Frucht nach der anderen zu testen!


Und letztendlich kommt es nur darauf an, sich auf das einzulassen, was man erlebt und offen zu bleiben für Neues.


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Demnächst geht es per Bus über Ayacucho weiter nach Cusco, von wo aus wir dem Salkantay-Trail nach Machu Picchu folgen werden.


Bis dahin – stay open-minded!
Silvio und Alwin 🙂


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2 responses to “Lima – zwischen Straßenstaub und Meeresluft”

  1. Nele sagt:

    echt schön geschrieben 🙂 man bekommt lust zu reisen

  2. […] Und die dutzend Fahrzeuge der Schadstoffgruppe 1 sorgten für eine Luftqualität, die mit der von Lima in Konkurrenz […]

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