Der Junge mit dem Bogen (Über Verantwortung und Sinnhaftigkeit)

Der Junge mit dem Bogen (Über Verantwortung und Sinnhaftigkeit)

Mein Jahr nach dem Abitur sollte eigentlich nur wenige Monate dauern. Schnell etwas Geld verdienen und dann ab nach Südamerika. Endlich raus in die Welt!

Aus den paar Monaten wurde aber schnell ein halbes Jahr. Und irgendwann stand dann schon der nächste Abiturjahrgang in der TA. Breit grinsend, erwartungsvoll, in den Startlöchern fürs Leben.


Hats


Die Zeit im Bioladen machte Spaß und immerhin: ich weiß jetzt, wie man professionell Käse einpackt! Trotzdem wusste ich, dass ich eigentlich nur aus Zweckmäßigkeit arbeitete. Und es machte mich unzufrieden, den Abflug immer weiter rauszuschieben.


Natürlich beschäftigte ich mich nebenbei viel mit meinen Zielen, Bedürfnissen und Werten. Das erste Mal in meinem Leben. Die Schule hatte es leider nicht so mit Leidenschaft und Potentialentfaltung. Nach 12 Jahren hatte ich zwar endlich mein Abitur, aber immer noch keinen wirklichen Plan…

Trotzdem war die Reise in meinen Augen ein so tiefgreifendes und prägendes Erlebnis, dass ich davor noch keine konkreten Vorstellungen entwickeln wollte. “Wenn ich wiederkomme, bin ich eh ein anderer Mensch.“, dachte ich mir.


IMG_20150909_125840


Jetzt sind wir seit etwa fünf Wochen unterwegs. Vieles ist passiert, wir sind etwa 1600 km Bus gefahren und haben tolle Menschen kennengelernt.


Trotz der vielen Eindrücke denke ich seit einigen Tagen wieder stärker daran, wie mein Leben nach der Reise weitergehen könnte. Wohin werde ich ziehen? Mit welchen Menschen arbeite ich dann? Und in welchen Bereichen wäre ein Praktikum spannend?

Nach dem Start der Reise ist die nächste größere Etappe in meinem Leben die Rückkehr. Und ich mache mir deshalb schon jetzt wieder Druck, mehr Klarheit über diese Fragen zu erlangen.


Ich weiß, seine Vision oder sein Ding zu finden ist eine Mission von vielen Monaten, wenn nicht sogar Jahren.

Bin ich also zu ungeduldig?


Zur Zeit fühle ich mich wie ein kleiner Junge mit Pfeil und Bogen in der Hand. Die Sehne ist gespannt; ich bin bereit, den Pfeil loszulassen. Doch ich finde keine Zielscheibe und werde immer ungeduldiger. Aber ohne Ziel zu schießen, führt zu nichts (außer dass die Pfeile ausgehen) und das weiß der kleine Junge.


Bow


Auch wenn die Sehne vermutlich noch eine Weile gespannt bleibt, werde ich mir gerade immer klarer, was ich vom Leben will. Was mir wichtig ist. Aber vor allem: was ich nicht will!

Mir ist wichtig, Menschen zu helfen, mit dem was ich mache. Probleme zu lösen und mich dabei Herausforderungen zu stellen, die mich wachsen lassen. Ich will positive Menschen mit ähnlichem Mindset um mich herum, die mich inspirieren und zum Lachen bringen. Ich will mit Leidenschaft meinen Job machen. Und ich will jeden Tag mein Leben genießen.

Auch über meine Werte bin ich mir mittlerweile mehr im Klaren. Mir sind Freiheit und Unabhängigkeit wahnsinnig wichtig; und vor allem brauche ich Sinnhaftigkeit in allem, was ich tue. Ich kann mir keinen typischen 9/5 Job in einem Architekturbüro oder einer Reiseagentur vorstellen. Ich will was eigenes schaffen, kreativ sein und etwas verändern da draußen!


Change


Die unzähligen Möglichkeiten, seinen Weg einzuschlagen, sind überwältigend. Doch ich bin zuversichtlich, dass mir die Reise in den kommenden Monaten neue Perspektiven eröffnen wird. In der Zwischenzeit lasse ich mich einfach fallen und genieße das Gefühl, ständig unterwegs zu sein. Das Leben in andauernder Bewegung kann so beruhigend sein.


Ich sehe mich im Angesicht zukünftiger Entscheidungen mit einer großen Verantwortung konfrontiert. Der Verantwortung, wirklich mein volles Potential zu nutzen. Der positiven Veränderung größtmögliches Gewicht zu verleihen.

Solange ich jedoch kein Ziel für meine Pfeile gefunden habe, bleibt der Bogen unter Spannung und der Junge sucht weiter in allen Richtungen.



Was sind deine Erfahrungen bei der Suche nach einem Sinn? Hattest du ähnliche Probleme? Ich freue mich über deinen Kommentar.


photo credit:
Greenhills 09
Straight to the point!!!
Be the change you want to see in the world (Gandhi)
Warrior Woman
via photopin

4 responses to “Der Junge mit dem Bogen (Über Verantwortung und Sinnhaftigkeit)”

  1. larafrisius sagt:

    Hey! Ich kenne das Gefühl nur zu gut.. auch ich weiß, dass meine Neuseelandreise die Entscheidung, was ich nach der Schule machen möchte nicht lösen wird, sondern einfach nur aufschiebt. Es ist so eine wichtige Entscheidung, ja vielleicht die erste wirklich wichtige, die das ganze Leben beeinflussen wird. Und irgendwie fühle ich mich einfach noch nicht bereit.. naja hoffentlich wird mir meine Reise etwas mehr Klarheit verschaffen, darüber wie ich mein Leben gestalten möchte.
    Viel Erfolg wünsche ich dir und viel Spaß in Südamerika!
    Lara

    • Alwin Pianka sagt:

      Hey lara,
      Freut mich zu wissen, dass ich nicht alleine bin mit meiner Situation! 🙂
      Ich wünsche dir auf jeden Fall auch weiter viel erfolg bei deiner Suche nach mehr klarheit und eine geile Reise!

  2. Ich muss ehrlich sagen wow … deine Artikel lassen mich ebenfalls zum grübeln anregen und immer wieder die Frage aufwerfen, was möchte ich erreichen, wo will ich hin und welche ziele setze ich mir … oder ob diese ganzen Fragen eher Nebensache sind.

    • Alwin Pianka sagt:

      Hey marvin,
      Ich bin froh, dich in gewisser Hinsicht zum grübeln angeregt zu haben. 😉 diese Fragen, die du dir stellst, sind ganz sicher keine Nebensache, aber die antworten darauf kann man leider nicht erzwingen. Lass sie eher mit der Zeit zu dir finden, statt dir druck zu machen, zu einem Ergebnis zu kommen… Viel Erfolg!
      Alwin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*