Warum ein Weitwinkelobjektiv gelegentlich unverzichtbar ist

Warum ein Weitwinkelobjektiv gelegentlich unverzichtbar ist

Hey du! Ja, genau du! Willkommen auf meinem Blog. Klasse, dass du den Weg hierher gefunden hast. Ich will nicht lange herumschwafeln, daher: Let‘s go!


Wir starten mit einem kurzen Experiment:

Bitte geh zum Fenster und streck deinen Kopf hinaus. Atme tief und bewusst ein …

… und wieder aus. Blicke nun auf die Ebene unterhalb der Wolken, die gerade am weitesten von dir entfernt liegt. Der Horizont zum Beispiel. Genieße dieses Gefühl der Weite eine Zeitlang (vorausgesetzt du bist nicht von Blocks umgeben – in dem Fall suche dir einen Ort, von dem aus du bessere Sicht hast).

So, bist du wieder hier? Super!

Bei mir ist dieser Punkt ein bewaldeter Horizont, ca. 5 km entfernt. Kurz darunter bewegen sich Fahrzeuge auf einer Autobahn entlang. Relativ zu den hohen Geschwindigkeiten auf deutschen Fernverkehrsstraßen scheinen sie beinahe dahin zu kriechen.


Ist dir schon einmal aufgefallen, dass solche Momente der Fernwahrnehmung im Alltag ziemlich selten vorkommen? Wir verbringen Stunden damit,

  • schreibend oder malend in Hefter zu starren,
  • gelangweilt die Tafel im Klassenzimmer zu mustern,
  • das Smartphone nach Facebook-News zu durchstöbern oder
  • auf Arbeit am Rechner zu sitzen.

Bei all diesen Tätigkeiten ist der Fokus auf eine bestimmte Sache gerichtet. Oftmals ist diese sogar weniger als einen Meter von uns entfernt. Wir vergessen dabei alles andere um uns herum, während alles andere uns selbst vergessen lässt.

Dabei ist es von unschätzbarer Wichtigkeit, ab und zu den Kopf zu heben, das Smartphone beiseite zulegen und die Größenverhältnisse unseres blauen Planeten aufs Neue zu erleben.

Weitwinkelsicht


Genau wie in der physischen Welt ist es auch in der ideellen Welt deines Lebens extrem wichtig, nicht das „big picture“ zu verlieren. Nicht tage- und wochenlang ein scheinbar wichtiges, aber im größeren Zusammenhang bedeutungsloses Problem zu fokussieren. Deine Energie nicht ins Entfernen eines nervigen Splitters zu stecken, während hinter dir ein Baum auf dich stürzt.


Diesen holistischen Überblick über seine Lebensbereiche zu wahren, fällt vielen schwer.

Oftmals ist man zusätzlich durch gesellschaftliche Erwartungen und die Angst vor Zurückweisung limitiert. Dabei bist du es, der in jedem Moment Entscheidungen für dein Leben trifft. Niemand sonst übernimmt diese Verantwortung für dich.

Du kannst heute zum Beispiel rausgehen und drei neue Leute kennenlernen. Einfach indem du sie auf der Straße ansprichst. Sie in ein Gespräch verwickelst.

Du kannst genau in diesem Moment deinen Browser schließen und das versuchen umzusetzen, worüber wir gerade sprechen.

Oder du kannst diesen Blogpost zum Ende lesen, um nicht nur beim Versuch zu bleiben.


Eine gute Übung, um seine Furcht vor sozialer Ablehnung zu mindern, ist die Zurückweisung an sich. Dale Stephens schlägt dazu in seinem Buch „Hacking your education“ folgende Methoden vor:

  • Bitte jemanden im öffentlichen Bereich (Bus, Fußgängerzone, Park), dir seinen Sitzplatz zu geben.
  • Frage eine beliebige Person auf der Straße nach 100 €.
  • Geh raus und frage die erste Person, die du triffst: „Hast du Lust auf ein Date mit mir?“
  • Frage das Personal in einem Laden, ob es okay ist, wenn du den „Staff only“-Bereich erkundest.
  • Frage jemanden auf der Straße, ob du ein Bild mit ihm/ihr machen kannst.
  • Nimm einen Stapel Papier mit und frage jemanden, ob er dir dabei hilft, Papierflieger zu falten.

Nachdem du einige Tage hintereinander Zurückweisung durch fremde Leute erlebt hast, wird es für dich einfacher sein, mit gesellschaftlichen Erwartungen und dem zeitweisen Gefühl des Scheiterns umzugehen.

Disicions


Doch zoomen wir wieder ein Stück raus. Gehen wir zurück in den Weitwinkel-Modus. Blicken wir auf den fernen Horizont.

Der Weg, den du gerade gehst, wurde in ähnlicher Form von vielen Leuten vor dir gegangen. Die Fehler allerdings, die deine Vorgänger gemacht haben, musst du nicht wiederholen. Vielmehr kannst du sie als wertvolle und hilfreiche Ressource sehen, deinen Weg weniger leidvoll zu gestalten.

Während meiner Schulzeit habe ich mich viel zu oft im Zustand des Reagierens auf äußere Erwartungen wiedergefunden. Ich habe:

  • für Chemie Molekülbezeichnungen und chemisches Rechnen gelernt, obwohl ich nie vorhatte, mich beruflich in diese Richtung zu bewegen,
  • bei flachen Witzen über den Lehrer mitgelacht, obwohl ich diese oftmals nur peinlich fand (weil ich mir komisch vorgekommen wäre, als einziger nicht zu lachen, siehe Angst vor sozialer Ablehnung),
  • mich passiv vom formlosen Strom mitreißen lassen, anstatt selbstständig zu agieren (ohne es nur ein einziges Mal zu hinterfragen)
  • das „big picture“ in meinem Leben verloren gehabt.

Doch…

Wie auch immer es bei dir bisher aussah, du hast die Möglichkeit, ab jetzt die Zügel selbst in die Hand zu nehmen. Dich umzudrehen und dem fallenden Baum auszuweichen, anstatt dich weiter um den nervenden Splitter zu kümmern. Dein Leben mit Aktivitäten und Menschen zu füllen, die dich wirklich bereichern, anstatt dir Energie und Zeit zu rauben. Dein Blick zum Horizont zu heben.

Berge


Nimm dir jetzt mal zwei Minuten (gerne auch länger) und denk darüber nach, wie dein Leben momentan aussieht! Womit verbringst du deine Zeit? Wer sind deine Freunde, mit denen du am meisten abhängst? Auf welchen Tagesablauf blickst du allabendlich zurück, wenn du ins Bett gehst?

Und jetzt kehre die Perspektive mal um!

Stell dir vor, du sprichst mit deinem 10-jährigen Ich. Du erzählst ihm/ihr, was du bisher erreicht hast und wie glücklich du damit bist. Wie dein soziales Netzwerk (damit mein ich nicht Facebook & Co.) aussieht und welche Gewohnheiten du tagtäglich lebst. Ganz allgemein: welches Leben du führst.

Wie reagiert dein jüngeres Ich? Schaut es dich vorwurfsvoll an? Ist es froh darüber, wie du dich entwickelt hast? Ist es vielleicht stolz auf dich?

Wie auch immer die Reaktion ausfällt, du kannst anhand dieses Gedankenspiels ein virtuelles „big picture“ aus der Vergangenheit generieren.

Du kannst das imaginäre Gespräch dazu nutzen, dein Leben von jetzt an in eine Richtung zu lenken, auf die dein 10-jähriges Ich stolz gewesen wäre. Vorausgesetzt, diese Richtung deckt sich mit deinen jetzigen Moral- und Wertvorstellungen.


Oder du kehrst die Perspektive erneut um und lässt die mögliche Zukunft deine Motivation sein.

Überlege dir, welche Dinge du unbedingt lernen willst bzw. welche Skills du erwerben möchtest. Was möchtest du beispielsweise in einem oder fünf Jahren alles gesehen und erlebt haben?


Hilfreich ist auch, sich eine Skizze über alle aktuellen Lebensbereiche zu machen (vielleicht in Form eines Mindmaps?). An jeden Lebensbereich schreibst du jetzt deine Vision, deine Vorstellung eines kompletten Optimums. Für den Lebensbereich „Finanzen“ könnte das zum Beispiel totale finanzielle Unabhängigkeit sein oder eine Leidenschaft als Beruf zu haben.

Meine Visions-Mindmap hat folgende Bereiche:

  • Familie,
  • Freunde,
  • Musik,
  • Finanzen,
  • Bildung,
  • persönliche Weiterentwicklung,
  • Sport und
  • Beziehung.

Schreib nun diejenigen Bereiche auf, deren Status quo am weitesten vom jeweiligen „Optimum“ entfernt ist. Versuche in diesen Bereichen konkrete Schritte zu entwickeln, die dich näher zu deiner Vision bringen. Realisier diese Schritte.

Lebensbereiche


Für welche Methode du dich auch entschieden hast – sie wird dir helfen, die Relevanz deiner Probleme besser beurteilen zu können. Die Totale deines Lebens erlebbar zu machen.


Und wenn du das nächste Mal an einer Sache verzweifelst, verbohrt nach einer Lösung suchst, denke daran:

Durch ein Weitwinkelobjektiv betrachtet relativiert sich selbst eine Autobahn zu einer kleinen Ameisenstraße am Horizont.

One response to “Warum ein Weitwinkelobjektiv gelegentlich unverzichtbar ist”

  1. […] Freiheit des Geistes zu erleben ist nach eigener Erfahrung sehr heilsam. Auch kann sie das Big Picture im eigenen Leben greifbarer machen – vieles relativiert sich auf […]

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